Wir nennen es Multitasking, aber es fühlt sich an wie: alles halb, nichts richtig.
Kaffee trinken, während du E-Mails beantwortest. Ein Gespräch führen, während dein Blick immer wieder auf unbeantwortete Nachrichten fällt. Netflix schauen, während man Gerichte plant. Gedanken beim nächsten To-Do, während du eigentlich gerade doch noch hier bist. Und am Ende des Tages warst du mit deinen Gedanken überall involviert, aber nichts konntest du richtig erledigen.
Multitasking fühlt sich produktiv an, ist es aber selten.
Wir haben gelernt, dass „viel gleichzeitig“ gleichbedeutend mit effizient ist. Wer alles parallel schafft, gilt als organisiert, leistungsfähig und willensstark. Still sitzen und nur eine Sache machen wirkt fast schon faul. Oder zumindest verdächtig langsam.
Dabei zeigt sich im Alltag etwas ganz anderes: Je mehr wir gleichzeitig machen, desto weniger sind wir bei dem, was wir tun.
Du liest einen Artikel – und weißt danach kaum, worum es ging, weil du zwischen drei anderen Tabs hin & her gewechselt bist. Du bist mit Freunden unterwegs – aber mit den Gedanken schon morgen beim nächsten Meeting. Du spielst mit deinem Kind – und telefonierst parallel mit deiner besten Freundin.
Das Ergebnis ist kein echtes Erleben, sondern Dauer-Zerstreuung.
Woher kommt dieses Bedürfnis, alles gleichzeitig machen zu wollen?
Zum einen aus dem Gefühl, ständig hinterher zu sein. Das Arbeiten am Bildschirm gibt uns das Gefühl, wir könnten endlos weiter arbeiten, weil sich nichts richtig abgeschlossen anfühlt. Der Bildschirm kann uns überallhin begleiten. Zu viele Aufaben, zu wenig Zeit. Also versuchen wir, Zeit zu sparen, indem wir Dinge kombinieren.
Zum anderen aus Unruhe. Stille ist für viele von uns ungewohnt geworden. Ein Moment ohne Reiz fühlt sich schnell leer an. Also füllen wir ihn, bekanntlich mit dem Handy. Hast du dich mal beobachtet, beim Anstehen in einer Warteschlange? Wartest du wirklich einfach nur oder versuchst du die Wartezeit mit Eindrücke zu verkürzen?
Und manchmal ist es auch die Angst, die uns überrumpelt: Wenn ich alles gleichzeitig mache, muss ich mich nicht wirklich auf eine Sache einlassen. Nicht auf ein Gefühl, nicht auf Langeweile, nicht auf negative Gedanken.
Multitasking beschäftigt dich – Monotasking lässt dich spüren.
Monotasking heißt nicht, weniger zu schaffen – sondern präsenter zu sein.
Es bedeutet nicht, dass du dein Leben so sehr entschleunigst, dass nichts mehr passiert. Sondern vielmehr, dass du dem, was du gerade tust, deine volle Aufmerksamkeit gibst.
Stell dir vor du arbeitest 30 Minuten konzentriert an einer Aufgabe – und machst danach bewusst eine Pause. Statt vier Dinge parallel halb zu erledigen und dich danach trotzdem erschöpft zu fühlen. In der Flüchtigkeit können außerdem mehr Fehler entstehen, was den Arbeitsprozess nicht verkürzt, sondern im Endeffekt durch die doppelte Arbeit verlangsamt.
Oder:
Du hörst jemandem wirklich zu, ohne innerlich schon die Antwort zu formulieren. Ohne nebenbei etwas anderes zu machen. Stell dir vor, du siehst deine beste Freundin nach langer Zeit wieder. Ihr sitzt euch gegenüber – aber ihre Aufmerksamkeit wandert immer wieder zu Nachrichten und Instagrambeiträgen, die auch später verfügbar sind. Wie fühlt sich das an? Prioritäten und Fokus verändern die Qualität der Gespräche und Beziehungen.
Warum Monotasking sich am Anfang ungewohnt anfühlt
Wir werden konfrontiert mit Ungeduld, mit verborgenen Gedanken und dem eigenen, realen Tempo. Im Leben sollte es nicht darum gehen, alles „schnell hinter sich zu bringen“, sondern zu genießen, wahrzunehmen, zu fühlen.
Das Learning dahinter
Du musst jetzt nicht alles extra langsam machen, darum geht es nicht. Du sollst es bewusster machen. Du schenkst dir durch diesen Fokus Tiefe, in allem was du tust.
Und daraus entsteht oft Klarheit, mehr Ruhe – und ja, sogar mehr Produktivität, weil dein Kopf nicht permanent zwischen fünf offenen Tabs wechselt.
Hier ein kleiner Anfang:
- Eine Mahlzeit am Tag ohne Bildschirm.
- Eine kleine Aufgabe, die du bewusst zu Ende machst, bevor du die Nächste beginnst.
- Ein Gespräch, bei dem du dein Handy in der Tasche lässt.
Was auch hilft:
Etabliere eine Journaling-Routine. Das kann dir am Ende oder zu Beginn des Tages helfen, deine Gedanken vor oder nach Ereignissen zu ordnen, um mit innerer Balance in den Schlaf zu gehen oder in den Tag zu starten.




