Ist Januar wirklich ein Neuanfang?

Ist Januar wirklich ein Neuanfang?

Wie startest du ins neue Jahr, Olesja? Du liest Ist Januar wirklich ein Neuanfang? 4 Minuten Weiter Lerne dich auszuhalten

Kaum ist der Jahreswechsel vorbei, liegt dieser unausgesprochene Druck in der Luft: Jetzt müsste doch etwas passieren, irgendwas Besonderes & Großes. Neues Jahr, neue Energie, neue Ziele, so liest und hört man es überall. Als hätte der Kalender uns ein Startsignal gegeben. dem wir innerlich folgen müssten, bevor es zu spät ist – egal, wie wir uns eigentlich fühlen. 

Dabei fühlt sich der Januar für viele ganz anders an. Müde. Schwer. Still. Und das ist kein Zufall. 

Denn während wir versuchen, uns im Januar neu zu erfinden, macht die Natur genau das Gegenteil. Draußen ist nichts im Aufbruch oder ein Neuanfang ersichtlich. Die Bäume sind kahl, die Erde gefroren und Wachstum findet nicht sichtbar statt. Alles zieht sich zurück, spart Energie und sammelt Kraft. In der Natur wird kein Wachstum erzwungen. Der Winter ist kein Neubeginn, sondern eine Pause. 

Und vielleicht hast du dich wiedererkannt? Vielleicht ist da kein Drang nach Veränderung, sondern eher das Bedürfnis, erst einmal durchzuatmen und klarzukommen. Vielleicht fühlst du dich nicht motiviert, sondern eher erschöpft. Nicht bereicht für Neues, sondern eher damit beschäftigt, das Alte zu verarbeiten. Das klingt erst mal träge und undiszipliniert. Das innere Aufräumen ist aber essenziell für das, was noch kommen wird. 

Der Drang nach Neuanfang im Januar kommt weniger aus uns selbst, sondern aus dem, was wir darüber gelernt haben. Der Jahreswechsel gibt uns das Gefühl von Kontrolle. Als könnten wir mit einer neuen Zahl alles hinter uns lassen, was schwer war. Hoffnung ist etwas Schönes. Problematisch wird sie erst dann, wenn sie zur Erwartung wird. Wenn aus „Ich könnte etwas verändern“ plötzlich „Ich muss jetzt endlich schnell etwas verändern“ wird. 

Dann fühlt sich der Neuanfang nicht mehr nach Freiheit an, sondern nach zusätzlichem Druck. 

Wenn man genauer hinsieht, passiert der eigentliche Neubeginn in der Natur nicht im Januar, sondern im Frühling. Nicht, weil sich jemand dazu zwingt, sondern weil genug Kraft gesammelt wurde. Wachstum entsteht nicht aus Eile, sondern aus Bereitschaft. Und diese Bereitschaft braucht Zeit, Ruhe und Raum. 

Warum erwarten wir dann von uns, dass wir mitten im Winter sofort losrennen?

Vielleicht ist Januar gar kein Startschuss, sondern ein Übergang. Eine Zwischenzeit. Ein Monat, der uns einlädt, ehrlich hinzusehen: Was war zu viel? Was hat Energie gekostet? Was darf ich zurücklassen? Nicht mit der Frage, was wir jetzt alles leisten oder optimieren könnten, sondern mit dem Blick darauf, was wir wirklich brauchen. 

Ein Neuanfang ist kein Datum. Er passiert nicht, weil ein Kalenderblatt umgeblättert wird. Er passiert in dem Moment, in dem du innerlich spürst: So möchte ich nicht weitermachen. Und dieser Moment kann jederzeit kommen. Im März, im Sommer oder an einem ganz unspektakulären Dienstagmorgen. 

Du darfst dich nach deinem Körper richten, nicht nach Kalenderdaten. Dein Körper kennt keine Jahreszahlen, sondern Zyklen. Er weiß, wann es Zeit ist, nach außen zu gehen – und wann es Zeit ist, sich zurückzuziehen. Wenn er gerade nach Ruhe ruft, ist das kein Zeichen von Schwäche, sondern von Selbstwahrnehmung. 

Vielleicht besteht der Neuanfang im Januar nicht darin, alles umzukrempeln, sondern darin, nichts zu erzwingen. Ehrlich zu sein mit dir selbst, mit deinem Tempo und mit dem, was gerade wirklich da ist. Manchmal beginnt Veränderung nicht mit Aktion, sondern mit Akzeptanz. 

Genau das ist die Einladung des Monats: Nicht alles umzuwerfen, sondern dich ein bisschen besser zu verstehen und wahrzunehmen. Alles andere wird kommen, wenn die Zeit dafür reif ist.  Und da kann Journaling dir weiterhelfen!