Lerne dich auszuhalten

Lerne dich auszuhalten

Ist Januar wirklich ein Neuanfang? Du liest Lerne dich auszuhalten 4 Minuten

Wann warst du das letzte Mal wirklich allein? Also: ohne Musik im Hintergrund, ohne Nachrichten, ohne Ablenkung. Nur du – mit deinen Gedanken.

Klingt nach einer alltäglichen und harmlosen Sache, oder? Aber für viele ist genau das ein ziemlich unangenehmer Gedanke. Weil Alleinsein oft gleichgesetzt wird mit Einsamkeit. Mit Leere. Mit „niemand will Zeit mit mir verbringen.“ Dabei bedeutet Alleinsein nicht, dass etwas mit dir nicht stimmt. Zeit mit sich selbst zu genießen, ist eine Fähigkeit. Und vielleicht sogar eine, die wir dringend wieder lernen sollten. 

Warum du dich selbst aushalten lernen musst

Viele von uns sind es gewohnt, ständig beschäftigt zu sein. Wir sind umgeben von Menschen, Reizen, Geräuschen. Wenns mal still wird, greifen wir automatisch zum Handy. Weil Stille sich ungewohnt anfühlt. Weil sie uns selbst konfrontiert. 

Denn da ist plötzlich diese Stimme im Kopf, die fragt: „Bist du überhaupt glücklich, so wie es gerade läuft? Läuft dein Leben so, wie du es möchtest? Was brauchst du eigentlich?“

Und genau diese Fragen sind der Grund, warum wir so selten allein sind. Nicht unbedingt, weil wir keine Zeit hätten – sondern weil wir Angst haben, was wir in dieser Zeit hören könnten. 

Aber: Nur wer sich selbst aushält, kann sich auch selbst verstehen. Und erst, wenn du dich verstehst, kannst du dein Leben so gestalten, dass es sich nach dir anfühlt. 

Wenn Ruhe sich komisch anfühlt 

Kennst du das Gefühl, wenn du endlich mal einen freien Tag hast – aber du sofort das Bedürfnis hast, etwas zu tun? Wohnung aufräumen, Mails checken, Freund*innen treffen, irgendwas „Sinnvolles“. 

Ruhe wird plötzlich laut, weil dein Kopf am weiterarbeiten ist.

Viele verwechseln Aktivität mit Erfüllung. Aber manchmal wollen wir mit der Dauerbeschäftigung vor uns selbst flüchten und das eigentliche Problem ignorieren. 

Warum Alleinsein nichts mit Isolation zu tun hat 

Menschen, die gut allein sein können, sind nicht verschlossen oder unnahbar – sie sind zentriert. Sie holen sich Bestätigung nicht aus Aufmerksamkeit, sondern aus innerer Ruhe. Und das spürt man. Kennst du diese Menschen, die in einem Raum stehen, still und leise – und trotzdem wirken sie stark, klar, präsent? Das ist innere Stabilität. 

Wenn du dich selbst aushalten kannst, bist du nicht darauf angewiesen, dass jemand anderes dich „füllt“. Du schenkst dir selbst Bestätigung, Aufmerksamkeit und Liebe. Dein Glas ist bereits voll. 

Wenn du dich verlierst, weil du nie allein bist 

Viele Menschen verwechseln Nähe mit Selbstaufgabe. Sie füllen jede Lücke mit jemand anderem: der*dem Partner*in, den Freund*innen, der Arbeit. 

Aber wenn du nie allein bist, verlierst du irgendwann das Gespür dafür, was eigentlich deins ist. Deine Gedanken, deine Wünsche, deine Bedürfnisse. 
Dann machst du Dinge, die du gar nicht willst, nur um dazuzugehören. Sagst Ja, obwohl du Nein meinst. Lachst, obwohl dir nicht danach ist.

Und irgendwann fragst du dich: „Wer bin ich eigentlich, wenn niemand da ist?“.

Die Antwort findest du nicht in Gesellschaft – sondern in Momenten der Stille. 

Wie du lernst, dich selbst auszuhalten

1. Fang klein an. 
Setz dich 10 Minuten ohne Ablenkung hin. Kein Handy, kein Buch, kein Geräusch. Nur du. Beobachte, was kommt. Gedanken, Gefühle, Unruhe – alles darf da sein. 

2. Mach Zeit allein zu einem Ritual. 
Spaziergänge, Kaffee in Stille, Journaling. Es ist kein Zeichen von Einsamkeit, sich Zeit mit sich selbst zu nehmen – es ist ein Zeichen von Selbstbewusstsein. 

3. Schreib’s auf. 
Im „home of love“ hast du die Möglichkeit viele verschiedene Seiten auf kreative Art & Weise zu bearbeiten und dir ein Stück näher zu kommen und zu erkennen, was dich eigentlich ausmacht. 

4. Erlaube dir, dich nicht immer wohlzufühlen 
Stille ist ungewohnt – aber sie tut dir nichts. Je öfter du sie zulässt, desto vertrauter wird sie. Und irgendwann ist sie kein Feind mehr, sondern Erholung.

„Allein“ ist kein Zustand, den man „überwinden“ sollte. Es ist ein Zustand, den man gestalten darf. 

Du musst nichts beweisen, niemanden beeindrucken, nichts rechtfertigen. Du bist einfach – und das reicht.