„Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben.“ Kennst du diesen Satz? Wahrscheinlich hat ihn deine Mama gesagt, deine Oma, vielleicht deine Lehrer*innen. Ein Sprichwort, das wir schon als Kinder gehört haben – und das uns bis heute begleitet, oft ohne dass wir es wirklich hinterfragen, wie so viele Worte, die uns mitgegeben wurden.
Doch was bedeutet das eigentlich? Dass wir uns nicht freuen oder stolz sein dürfen, bevor etwas „richtig Großes“ geschafft ist? Dass Lob und Anerkennung immer erst am Ende einer Leistung kommen dürfen? Dass wir keine kleinen Erfolge feiern dürfen, sondern uns auf das fokussieren, was noch fehlt? Dazu kommt, dass in vielen Jobs der Kernpunkt ist, Probleme zu sehen, wahrzunehmen und zu suchen. Wir bekommen also in vielen Lebenssituationen eingetrichtert uns auf das Problem zu fokussieren und nicht darauf, dass wir es lösen konnten, weil das nächste Problem ja schon um die Ecke wartet.
Es ist Zeit, diese alten Denkweisen aufzubrechen.
Warum ist das so wichtig?
Viele von uns tragen tief verwurzelte Glaubenssätze in sich – geprägt von unserer Gesellschaft. Sätze wie: „Erwarte nicht zu viel“, „Sei vorsichtig mit deinem Stolz“ oder „Feier erst am Schluss“ sollen uns angeblich vor Enttäuschungen bewahren. Doch vielleicht sollten wir vielmehr lernen, Enttäuschungen als natürlichen Teil des Lebens zu akzeptieren, statt uns aus Angst vor ihnen ständig zurückzuhalten. Denn wer sich ständig auf das Negative fokussiert, läuft Gefahr, seine Träume nie mit voller Leidenschaft anzupacken.
Es passiert nämlich oft das Gegenteil: Wir verpassen es, unsere kleinen Schritte zu feiern, uns zwischendurch anzuerkennen, stolz auf uns zu sein. Wir warten ständig auf das „große Finale“, das „perfekte Ergebnis“ und vergessen dabei wie viel Motivation und Selbstwertgefühl aus den kleinen Momenten entstehen kann. Denn wenn das große Finale schließlich gekommen ist, verblasst oft der Wert des Weges, weil die kleinen Erfolge, die ihn geprägt und erst möglich gemacht haben, unbemerkt geblieben und vergessen worden sind.
Stell dir vor, du hast dir vorgenommen, täglich 10 Minuten zu meditieren. Du schaffst es an drei Tagen der Woche. Der Gedanke „Ich habe noch nicht genug gemacht, das zählt doch nicht“ schleicht sich ein. Oder: Du hast in deinem Job eine schwierige Mail geschrieben und dich überwunden, eine unangenehme Sache anzusprechen. Du denkst: „Ach, das war ja nur halb so wild, nichts Besonderes.“
Aber genau hier ist es wichtig diese kleinen Erfolge als Fundament anzusehen, auf dem dein Selbstvertrauen wächst. Wenn du dir sagst: „Hey, ich habe das gut gemacht, ich bin stolz auf mich“, baust du dir eine innere Motivation auf, die dich auch durch schwierige Phasen trägt. Und das allerwichtigste ist, dass du nicht darauf wartest, dass jemand dich lobt und deinen Erfolg sieht. Du musst es selbst in die Hand nehmen. Die Wertschätzung sollte bei dir beginnen und deine Motivation sollte es nicht sein, Bestätigung im Außen zu finden, sondern in dir selbst.
Die Gesellschaft liebt das „Noch nicht genug“.
Unsere Gesellschaft ist wahnsinnig gut darin, uns immer wieder einzureden, was wir alles noch nicht haben, nicht können, nicht erreicht haben. Immer „mehr, schneller, weiter“. Das sorgt für Stress, Selbstzweifel und das Gefühl, nie gut genug zu sein.
Doch was, wenn wir diese Erzählung einfach mal ablegen? Was, wenn wir uns erlauben, auch mal mitten am Tag zu sagen: „Hey, ich bin stolz auf mich“ Ich habe heute schon viel geschafft!“? Wahrscheinlich würde unser Alltag leichter werden, unser Blick auf uns selbst liebevoller und unser innerer Druck deutlich weniger. Du würdest aufhören auf den Peak der Zufriedenheitskurve zu warten und die restliche Zeit nur auszuhalten. Stattdessen würdest du eine zufriedene Konstante etablieren, sodass du jeden Tag etwas zum Glücklich-Sein hast.
Fang heute schon an, dir selbst zu sagen, was du gut gemacht hast. Schreib in dein Journal jeden Tag 3 Dinge, auf die du stolz bist, ganz egal wie klein sie für andere erscheinen.
Am Ende zählt nicht nur, was wir erreichen – sondern auch, wie wir dabei mit uns selbst umgehen.